70er Jahre

Unter der Schirmherrschaft von Dr. Otto Betz (Vorsitzender der Landesgruppe Bayern der deutschen olympischen Gesellschaft und der Stadtgruppe München - Mitglied des Beirates des Präsidiums der deutschen olympischen Gesellschaft - geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Vereins zur Förderung der olympischen Spiele 1972 in München e.V.) findet am 8.8.1971 das zweite olympische Testrennen statt.

Ein kleiner Ausschnitt aus dem damaligen Protokoll möge von dem Geschehen einen kleinen Überblick geben:

“Um einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung zu gewährleisten, waren div. Besprechungen mit den OK-Behörden, der Polizei und der Bundeswehr nötig. Die Polizei war mit ca. 250 Mann für Absperrungen an der Strecke vertreten, von der Bundeswehr wurden ca. 300 Mann eingeteilt. Zusätzlich stellte die Bundeswehr 13 Posten - ausgerüstet mit Funk - die laufend die Durchfahrtspositionen für den Sprecher an Start und Ziel durchgaben. Jedem dieser Streckenposten wurde zur fachm. Beratung ein Mitglied unseres Vereins zugeteilt. Die Bundeswehr übernahm außerdem den Sanitätsdienst. Ein Hubschrauber überwachte ständig das Geschehen auf der Strecke.

Auf unsere, jeweils in der Landessprache verschickten Einladungen meldeten sich zum Start neben unserer Nationalmannschaft 11 ausländische Nationen, darunter so bekannte Fahrer wie z.B. Phil Edward, Großbritannien - Peter Doyle u. Liam Horner aus Irland - Ryszard Szurkowski und Zygmunt Hanusik aus Polen - Anatoli Starkov und Nikolai Dmitruk, UDSSR. Unsere Mannschaftsbetreuung, die sich übrigens während des gesamten Aufenthalts um die Sportler kümmerte, geleitete sämtliche Fahrer zur Sportschule Grünwald, in der die Unterbringung vorgesehen war.

Einige Aufregung gab es bei der Mannschaft der UDSSR. Am Freitag noch war sie wohlgemut in Riem aus dem Flugzeug gestiegen. Als am Samstagmorgen Betreuer Braude die Rennmaschinen seiner Cracks in Empfang nehmen wollte, hieß es in Riem: “Räder leider versehentlich in Tripolis gelandet”. Nach großem Kriegsrat begannen 4 Mechaniker 4 organisierte Räder in fieberhafter Arbeit nach den Wünschen der Fahrer individuell herzurichten. Unseren energischen Bemühungen war es dann letzten Endes zu verdanken, daß viereinhalb Stunden vor dem Start doch noch im Eilflug die verirrten Zweiräder den Weg nach München fanden und rechtzeitig zur Verfügung standen.

In den großen Sitzungssaal des Rathauses Grünwald lud Bürgermeister Rieger am Vorabend des Rennens vier Herren der FIFA (UCI), den Präsidenten Herrn Hangstein, den Vizepräsidenten Herrn Bandele, unseren Vereinsvorsitzenden Gerd Wagner, die Herren der Presse und die Mannschaftsführer der teilnehmenden Nationen. Der Vorabend endete mit einem Stehempfang im Cafe Fischer.

Trotz des schlechten Wetters waren am Sonntag Morgen ab 6.00 Uhr alle freiwilligen Helfer am Werk. Die anwesenden Presseleute wurden in die bereitgestellten PKW´s verteilt. Für das Fernsehen standen 3 Wagen zur Verfügung. (ARD 1 Wagen - ZDF 2 Wagen, hier drehte man neben der Sportschau einen Spielfilm über olympische Vorbereitungen). Bei strömendem Regen schickte der Deutsche Ex-Straßenmeister Ludwig Hoermann mit Fernsehansagerin Frau Ute Zingelmann 105 Fahrer auf die Strecke. Trotz unmöglicher Wetterverhältnisse begeisterten sich unter zahlreichen Zuschauern Herr Daume, Herr Kunze vom OK, Bürgermeister Rieger sowie die Herren des FIFA (UCI).

Unsere deutschen Nationalfahrer hatten während des Renngeschehens wohl noch mit den Strapazen der “Rheinland-Rundfahrt” zu kämpfen.

Zu Beginn der 3. Runde setzte sich vom Feld eine 13 Mann starke Gruppe ab, die bis zur 6. Runde die Spitze bildete. Zu Beginn der achten Runde löste sich daraus der polnische Fahrer Ryszard Szurkowski, dem dicht sein Landsmann Hanusik und der Italiener Paracchini folgten. Szurkowski gewann das großartig gefahrene Rennen mit einem Vorsprung von 41 Sekunden. Hanusik wurde Zweiter.

Nach der Siegerehrung durch die Herren Willi Daume, Hans Bendele, Dr. Otto Betz und unseren Vereinsvorsitzenden Gerd Wagner - an der zahlreiche Journalisten und Zuschauer Anteil nahmen - fand nachmittags eine Preisverteilung im Rathaus in Grünwald statt, die diese hervorragend organisierte Veranstaltung beendete.”

 Bayerische Meister auf der Straße Jugend A 

 Toni Rest, Erich Eltz, Hermann Tarkusch, Hans Nelles

 Gewinner einiger bayerischer Meisterschaften und vieler Kriterien werden im Jahre 1971 neben unseren Aktiven besonders unsere Jugendfahrer. Hervorzuheben ist die bayerische Vierer-Mannschaftsmeisterschaft auf der  Straße der Jugend A, sowie die bayer. Vierer-Vereins-Mannschaftsmeisterschaft über 3000 m auf der Bahn mit  den Fahrern Toni Rest, H. Tarkusch, Erich Eltz und Konrad Selb.

Am 2. April 1971 wird im Hinblick auf die Förderung des Bahnradsports auf Initiative von Gerd Wagner die MÜNCHNER RADSPORT-GEMEINSCHAFT gegründet. Sie setzt sich zum Ziel, nach den Olympischen Spielen das dafür erbaute Radstadion und die Olympiahalle als Winterbahn entsprechend zu nützen und gemeinsam die organisatorischen Arbeiten durchzuführen. Von unserem Verein werden in die Vorstandschaft gewählt: Gerd Wagner als Sportleiter - Walter Lemke als Organisationsleiter.

 

Olympia 1972

Anläßlich der Olympiade haben unsere Fahrer die Ehre, die olympische Flamme ein Stück des Weges zu geleiten!

 

Mini-Olympiade in Geretsried

mit Rennfahrern aus Frankreich, Italien, Kolumbien, Uruguay, Malawi, Ghana, Togo und der Bundesrepublik. Nachdem alle Olympiateilnehmer in München Quartier bezogen haben, bitten Gustav Kilian und Rudi Altig den RRC 02 kurzfristig ein Trainingsrennen zu organisieren. Gesagt getan - innerhalb von 2 Tagen steht der Durchführung nichts mehr im Wege. Auf dem bewährten Rundkurs in Geretsried finden sich der Welt beste Radrennfahrer ein, u. a. die späteren Gewinner der Goldmedaille: Udo Hempel, Günther Schumacher, Hans Lutz und Günter Haritz. Der Gewinner des Geretsrieder Kriteriums ist Udo Hempel.

Für unsere Jugend

ist Geretsried in diesem Jahr auch Austragungsort um den bayerischen Meistertitel im Vierer-Vereinsmannschaftsfahren über 50 km; es siegen unsere Fahrer Hans Springer, Hermann Tarkusch, Erich Eltz und Toni Rest. Ebenfalls in dieser Disziplin um die deutsche Meisterschaft in Berlin erreichen die gleichen Fahrer einen sehr guten dritten Platz.

6-Tage-Rennen

 Ebenfalls 1972 findet nach 18 Jahren erstmals in München wieder ein 6-Tage-Rennen statt.  Im Kampfgericht sitzen unsere  Mitglieder Horst Bayer und Georg Schlegel als Protokollführer. In einem spannenden Finale gewinnt der unter starken Sitzbeschwerden leidende Münchner Sigi Renz mit seinem Berliner Partner Wolfgang Schulze das Rennen in der Olympiahalle auf dem Oberwiesenfeld.

 In unserem 75-jährigem Jubiläumsjahr spurteten Eddy Merckx und Patrick Sercu - die Gewinner der Six-Days 1977 - nach Herbert Datzer ´s Glocke.

 

Rupert Kratzer:

   

Im November 1972 tritt der Weltrekordinhaber über 4000 m (4:40,24 Min) dem Verein bei. Er hat bereits eine stolze Erfolgsbilanz seiner sportlichen Laufbahn aufzuweisen:

1967-1973 Mitglied der deutschen Bahn-Nationalmannschaft (A-Kader)
Olympia-Teilnehmer 1968 in Mexico
Weltmeisterschaftsteilnehmer 1967, 1969, 1970, 1971
5-maliger deutscher Meister im Einer-Verfolgungsfahren (4000 m) 1967, 1968, 1969, 1971, 1973
2-maliger deutscher Vize-Meister im Einer-Verfolgungsfahren (4000 m) 1970, 1972
Weltmeisterschaftsdritter im 4000 m Einer-Verfolgungsfahren 1973
19-maliger bayerischer Meister
Sieger bei zahlreichen Länderkämpfen und internationalen Radrennen.

Mit Karl Sonntag und den Gebrüdern Walter und Toni Rest bildet er eine Vierer-Mannschaft, die über Jahre auf Bahn und Straße über die Grenzen Bayerns hinaus erfolgreich ist.

 

                                                                                                    

 Karl Sonntag

 vielfacher bayerischer Meister  auf Bahn und Straße

                                                                                                                                  

 War einst die Hochburg des Vereins-Mannschaftssports Herpersdorf

 oder Schweinfurt, so glückte es dem RAD-RENN-CLUB 02 von 1973 bis

 1976 die bayerische Vereinsmannschaftsmeisterschaft auf der Straße

 zu erringen und - trotz eines Defektes - bei der deutschen

 Meisterschaft in Berlin 1974 einen hervorragenden 4. Platz zu

 belegen.

 

 

 

 

 

 

 

    Toni und Walter Rest

  deutsche Jugendmeister 1970 im 50 km Vierer-Vereinsmannschaftsfahren            

  deutsche Jugend-Vizemeister 1969 dto.

  vielfache bayerische Meister               

 

                                       Helmut Forchhammer                                      Hans Springer

                                       bayerischer Sprintermeister 1973                        oberbayerischer Querfeldeinmeister 1976

                                                                                                   

          Thomas Herbelßheimer                    Georg Angerer Schüler A                                       Wolfgang Molinski Schüler A

                                                                   

Michael Bregler Schüler A Bayerischer Straßenmeister

 

 Bayerische Meister 1976 im Vierer-Mannschaftsfahren in Dittlbrunn

    Maria Rest brachte schon manchen Mitstrampler zum Schwitzen

  

 Renate Lahaye

 bayerische Straßenmeisterin 1977

 Ulrike Huber

 Vizeweltmeisterin 1977 beim Senioren-Weltcup in St. Johann

Radsportabteilung Isarwinkel
Auf Initiative unserer Mitglieder Lorenz Huber und Bertl Langmeier wird im Jahr 1974 die  Radsportabteilung Isarwinkel in Bad Tölz gegründet. Neben einer besonders zu erwähnenden Jugendbetreuung gelten sie als die eigentlichen Initiatoren unserer heute so beliebten Vereinsrennen.

Christian Goldschagg

Bei den Schülermeisterschaften 1974 - ausgetragen im Münchner Olympiapark - gewinnt in seinem Jahrgang Christian Goldschagg und entschließt sich daraufhin zur Mitgliedschaft in unserem Verein. Innerhalb kürzester Zeit beherrscht er die B-Jugendklasse, erscheint in der Rangliste des Jahres 1975 in der Gesamtwertung als Oberbayerns erfolgreichster Jugendfahrer und erringt seine erste bayerische Meisterschaft im 400 m Zeitfahren in München.

Im Frühjahr fährt er im Olympiastadion eine Weltklassezeit über 1000 m mit stehendem Start und gibt damit zu verstehen, daß in der Radsportzukunft noch einiges von ihm zu hören sein wird. Neben zahlreichen Siegen bei Rundstrecken- und Bahnrennen erringt er im gleichen Jahr in Frankfurt im 1000 m Zeitfahren den deutschen Jugendmeistertitel, den er am 19.08.1977 erfolgreich zu verteidigen steht.

Er wird in den Junioren-Nationalkader berufen und erringt in der Junioren-Weltmeisterschaft in Wien unter den weltbesten Jugendfahrern den 4. Platz im 1000 m Zeitfahren. Darüber hinaus bestreitet er die 4000 m Vierer-Mannschaftsverfolgung und erkämpft sich mit Budo Zahner, Markus Intra und Ralf Wicke den Titel eines Vize-Weltmeisters.

 

75 Jahre RAD-RENN-CLUB 02

Am 18.09.1977 feierten wir unser 75-jähriges Bestehen. Der damalige Oberbürgermeister von München schrieb:

“Zu seinem 75-jährigen bestehen entbiete ich dem Rad-Renn-Club 1902 München e.V. sehr herzliche Glückwünsche. Sie gelten einem der traditionsreichsten deutschen Radsportvereine, dessen Leistungsfähigkeit, sportliche Präsenz und Erfolgsbilanz auf Bahn und Straße ihn weit über die weißblauen Grenzpfähle hinaus bekannt gemacht haben. Grundlage dafür war und ist eine geschickte und aktive Vereinsführung ebenso wie die stete Einsatzbereitschaft der Mitglieder. Vor allem aber hat die intensive und kontinuierliche Jugendarbeit, wie sie beim RRC 02 seit jeher gepflegt wird, ihm immer wieder neue Kräfte eingetragen und zugleich einen wertvollen Ansporn für die sportliche Beteiligung unserer Münchner Jugend geschaffen.

So hat der RRC sein Münchner Publikum gewonnen und die Begeisterung der Münchner für den gerade in unserer Stadt traditionsreichen Radsport mit vielen gut organisierten Veranstaltungen neu beflügelt. Er ist damit zu einem wichtigen Bestandteil und zu einer echten Bereicherung des vielgestaltigen sportlichen Gemeinschaftslebens in unserer Stadt geworden.

Den herzlichen Dank dafür verbinde ich mit den besten Wünschen für eine glückliche und weiterhin erfolgreiche Zukunft des Rad-Renn-Clubs 1902 München e.V. und seiner Mitglieder.

Georg Kronawitter

Wert und Bestand des Vereins sind nicht nur die Verdienste unserer Rennfahrer sondern auch das Engagement eines Stammes qualifizierter und langjähriger Clubkameraden.

Immer unermüdlich im Einsatz:

Georg Schlegel

 - die graue Eminenz des RRC 02 - Mittelpunkt unserer Clubabende. Ehemaliger Kampfrichterobmann - Bezirksbahnfachwart - Schriftführer - Pressewart - Herausgeber der Vereinsmitteilungsblätter. Seine tabellarischen Aufstellungen, Zeitmessungen und taktischen Ratschläge auf Bahn und Straße sind unersetzlich

Rudi Meitinger
Technischer Leiter - Betreuer unserer Sportler - Fahrer unseres Busses - Material-Organisator - zuständig für Fragen der besonderen Völkerverständigung - Nach seiner Glocke mussten auch die Sechstage-Fahrer spurten.

Rudi Pilz
langjähriger 2. Vorsitzender
Trainer und Radexperte vieler Vierer-Mannschaften, die zu Meisterehren kamen.

Otto Köppl
unser Sportleiter und unentbehrlich als Kampfrichter und Vereinsfunktionär

Herbert Datzer
neuer Kampfrichter-Obmann des Bezirks Oberbayern und als Vereinsfunktionär betraut mit vielen Aufgaben.

                               

Karin Krappweis                                 Peter Nadler    

Leiterin unserer Winter-Gymnastik               ein äußerst gewissenhafter Fachmann unserer Vereins-Finanzpolitik.

                                                                                 Schnüffelt auch den letzten Pfennig von Stadt- und Staatszuschüssen aus.

                   

 Helga Hinterholzer               Resi Brandl

 - Bei allen Vereinsrennen und Veranstaltungen auf der Olympiabahn sind sie für wertvolle Dienste immer zur Stelle -

 

            

 unser Doktor Kukla               Peter Haser

Georg Bunz
Medaillen, Bilder oder Plaketten, schlecht wär´s, wenn wir Georg Bunz nicht hätten.

Gerhard Birke
Seine Führsprache an “amtlicher Stelle” hat uns schon vor manchem Schaden bewahrt.

Franz Kluzeck
viele unserer Fahrer hatte er “in Händen” und vielen wieder auf die Beine geholfen

Walter Lemke

Experte der Radfahrgeschichte und Verfasser unseres “historischen Rückblicks”.
Soeben ist sein neues Buch “Fausto Coppi” (Fuchs-Verlag) erschienen.

 

Richard Noack

Kunstmaler und unser großer finanzieller Förderer. Für ihn war der Rad-Renn-Club die Familie. Er schrieb die Chronik über 30 Jahre und war auf allen unseren Festen die Stimmungskanone. Ob als Hofnarr unter Faschingsprinz Annast, als Nikolaus, als Feuertänzer, er wurde jeder Rolle gerecht.

Heini Hinterholzer
hat die besondere Liebe zum Radsport. Als unser Jugendleiter und Vereinsfunktionär ist er immer am Platze, wenn er gebraucht wird.

                                                                                              

                            

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