Die Süddeutsche Zeitung schrieb am 04.November 1999 unter der Überschrift ”Auf dem Unterhaltungsbasar”:
Alles in Ordnung unter dem Zylinderdeckel. Elektromotor, Kabel. Passt. Batterien sind auch eingelegt - die Vorführung kann beginnen. Vorsichtig wendet Walter Dannecker sein bestes Stück wieder, legt es sanft auf den Wohnzimmertisch, drückt einen kleinen silbernen Knopf, der unscheinbar aus dem schwarzen Filz ragt. Und los geht die surrende Fahrt der Plastikradler auf dem Zylinderdach. Schnell kreist die Verfolgerriege auf dem inneren Kranz, langsamer jene auf dem äußeren. “Innen sind die Sprinter, außen die Fahrer, die auf die Ablösung warten”, sagt Dannecker. Wie beim richtigen Sechstagerennen. Demnächst will er den Hut ausbauen: Ein Freund hat ihm Plastik-Dernys gebastelt, die sollen bald über die Krempe jagen. Das diesjährige Sechstagerennen in der Olympiahalle, das am heutigen Donnerstag beginnt, wird er noch mit dem herkömmlichen Modell bestreiten. Aber bis zum nächsten Jahr will er es geschafft haben. Die Leute werden staunen. Walter Dannecker lächelt. Selig und stolz.

Sein Hut hat ihn berühmt gemacht, ihn, Walter Dannecker, 56, Aufzugsmonteur aus Germering, und seine Frau Hanni, 58. Zu minderst ein bisschen. Viele, viele Interviews haben sie schon geben müssen, für Presse und TV. In ihren Erinnerungsalben kleben etliche Artikel, einer sogar aus einer französischen Zeitung, und Fotos mit Rad-, Polit- und Showprominenz - Hanni und Walter mit Franz-Josef Strauß, Hanni und Walter mit Rex Gildo. Sechstageveranstalter haben sie schon eingeladen, als Schmuck für ihr Rennen. Und manchmal wird Walter Dannecker von fremden Leuten angesprochen. Einmal sogar im Jugoslawien-Urlaub am FKK-Strand. Da starrte ein Mann Walter Dannecker ständig an, bis der nervös wurde. “Is´wos?” hat Dannecker gefragt. Und der Beobachter ehrfürchtig geantwortet: “Du bist doch der mit dem Hut.” Walter und Hanni Dannecker gefällt das, und trotzdem wundern sie sich manchmal ein bisschen darüber: Alles nur, weil sie seit 1972, seit es das Münchner Sechstagerennen in der Olympiahalle gibt, keinen Wettkampftag verpasst haben, immer am Rand der Bahn standen, gegenüber der Sprecherloge, sich kaum vom Fleck bewegten, mit Tröte oder Glocke die Profis bei ihren Jagden anfeuerten. Und vor allem weil er, Walter, irgendwann auf die Idee mit dem markanten Hut kam.

Walter, der Blickfang

Zum Maskottchen des Münchner Sechstagebetriebs sind sie geworden, und auch das gefällt ihnen. Walter und Hanni Dannecker gehören einfach dazu. So wie Sigi Renz dazu gehört, der stets akkurat gekleidete, mit sparsamen Gesten dirigierende Rennleiter, seit 18 Jahren im Amt.....”Tradition ist ein wesentlicher Bestandteil des Sechstagerennens”, sagt Braun, “nie werden wir das aus den Augen verlieren.”

Das heißt auch: die vertrauten Gesichter des Sechstagerennens müssen bleiben: Renz, Haberls. Und natürlich die Danneckers. Die haben auch für dieses Jahr wieder Freikarten bekommen und werden sich wohl wieder dort aufstellen, wo sie immer stehen. An der Hauptgeraden, nahe der VIP-Loge, in denen der frühere Olympiapark-Chef Werner Göhner ihnen einmal zwei Plätze reservieren lassen wollte, was sie dann abgelehnt haben, weil Hanni Dannecker findet: “Da gehören wir nicht hin”. Denn ein Sechstagerennen versäumen, das geht nicht. “Weihnachten schon”, ruft Hanni Dannecker durch ihr Wohnzimmer, “das Sechstagerennen nicht”.

Autogrammadresse:

Walter und Hannelore Dannecker
Wotanstr. 6

82110 Germering